BIO VOM BAUERN

Wenn wir über eine Problemstellung nachdenken, kann der Lösungsansatz
durchaus komplexer werden.

 

Was passiert, wenn wir bei einem Etikettenentwurf für einen Biobauern über die
Biovermarktung grübeln, finden Sie hier heraus.

AUSGANGSSITUATION:

Auf der Suche nach geeigneten Vermarktungsmöglichkeiten für Lebensmittel in Bioqualität für einen Bio-Bauern aus der Südsteiermark haben wir uns generell mit der Situation für Bio-Bauern auseinander gesetzt. Der Trend geht immer stärker in Richtung Bioqualitäten, auch in den Supermärkten. Alle profitieren, nur die Bio-Bauern bekommen nach wie vor noch lange keine entsprechende Abgeltung ihres Risikos und des Mehraufwandes.

Im Wesentlichen profitieren die Lebensmittelmärkte vom höheren Aufschlag auf Bio. Die Bauern unterliegen strengsten Kriterien, haben gegen Schädlinge und Krankheiten kaum effiziente „Waffen“ und brauchen z.B. für den Ackerbau rund 1/3 mehr Traktorstunden, als der konventionelle Landbau.

Die enormen Folgeschäden und -kosten durch die konventionelle Landwirtschaft, die weder in volkswirtschaftlichen Rechnungen noch Produkten kalkuliert sind, lassen Bio-Produkte teuer erscheinen. Würde man es gesamtheitlich rechnen, wäre Bio die wesentlich günstigere Alternative.

BEDARF IN DER GASTRONOMIE

Eine Marke samt der entsprechenden Logistik für Endkonsumenten auf die Beine zu stellen, erscheint auf den ersten Blick als zu aufwändig und riskant. Bei unseren Recherchen haben wir jedoch einen erheblichen Bedarf seitens der Gastronomie festgestellt.

 

WEIT BESSERE VERWERTUNGS­MÖGLICHKEIT

Die Gastronomie kann wesentlich mehr Qualitäten verkochen, als der Lebensmittelhandel verkaufen kann. Schätzungen zufolge werden 20-40% wegen optischen Kriterien gar nicht in den Handel geliefert. Auch für Überproduktionen wäre die Gastronomie eine hervorragende Absatzmöglichkeit.

Erstes Ziel wäre es, rund 200 Gastronome mit 500 Bio-Bauern über eine Online-Plattform zu vernetzen.

BEREICHE DER PLATTFORM:

ie Plattform soll sowohl einen öffentlichen Bereich für Gäste, als auch einen Login-Bereich für Mitglieder beinhalten.

Herzstück soll eine Art Bio-Börse werden – allerdings nicht nur mit dem Fokus auf sofortiges Handeln, sondern auch unter Einplanung von Vorlaufzeiten bis zu 2 Jahren. Die Betriebe, die von Bio-Bauern ihre Ware beziehen, sollen auf der Plattform präsentiert werden. Selbstverständlich auch die Bio-Bauern, deren Höfe, die Motivation und Herausforderung der Bio-Bauern, der Wert etc.

 

ÖSTERREICHISCHE BIOQUALITÄT MIT KURZEN WEGEN

Langfristig könnte „Bio vom Bauern“ in Form einer Genossenschaft oder eines Vereins geführt werden. Die Einbindung bestehender Bio-Zertifikate ist ebenfalls Grundvoraussetzung. „Bio vom Bauern“ ist keinesfalls ein eigenes Qualitätssiegel, daher können nur zertifizierte Bio-Bauern mit einem bereits erhaltenen Gütesiegel teilnehmen.

Die teilnehmenden Bauern bleiben in allen Belangen eigenverantwortlich und verrechnen im eigenen Namen ihre Leistungen. Aufgabe des Labels wird es daher sein, die Zuverlässigkeit und Lieferqualität der Partner zu erfassen und gegebenenfalls auch eine Bewertungsmöglichkeit auf der Plattform einzuführen.

 

LOGISTISCHE HERAUS­FORDERUNGEN

Ziel ist es, über eine entsprechende Weblösung die Bauern mit der Gastronomie zu vernetzen. Herzstück ist eine Art Börse, in die Gastronomen ihre Anfrage einstellen und Bio-Bauern die Anfragen entnehmen können. Dabei ist eine Systematik zu entwickeln, die auf den regionalen Abstand, die Zeit, den Umfang, die Art der Anfrage (Ackerbau, Obst, Tierhaltung, Kräuter…) und die Qualität Rücksicht nimmt.

Der Vorteil einer Kooperation von Bio-Bauern mit der Gastronomie ist der folgenden Skizze zu entnehmen:

 

BIO VOM BAUERN UND DIE KONSUMENTEN

Die Präsentation im Web umfasst die beteiligten Gastronomen und Bio-Bauern. Je nach Betrieb wird es bei den Bauern „Tage der offenen Stall- oder Scheunentür“ geben, sowie die Möglichkeit, die Betriebe zu besuchen, um ein besseres Verständnis für den Wert der Lebensmittel zu vermitteln.

Es könnte Teilen der Gastronomie auch ein Shop-in-Shop System angeboten werden. Wesentlich ist die Kennzeichnung der Restaurants und die Präsentation in den Speisekarten.

TECHNISCHE UMSETZUNG

Die Web-Plattform soll einerseits die Bio-Bauern und die Bio-Konsumenten miteinander vernetzen. Hier geht es darum, dass sich der Bio-Landwirt über die Plattform präsentieren kann und der Bio-Konsument seine Aufträge ausschreiben kann. Die Ausschreibungen sollen dann von verschiedenen Produzenten (meist von mehreren im Netzwerk) erfüllt werden. Auch der Konsument (Gastronom) soll sich über die Plattform präsentieren können.

Ein wesentlicher Punkt in der Machbarkeit ist das Thema der Skalierbarkeit und Erweiterung auf andere Branchen und Themengebiete. Es gibt eine Vielzahl an Branchen mit ähnlichen Problemstellungen, die durch dieses Portal auch profitieren könnten.

 

GROBER UMFANG DER FUNKTION:

  1. Entwicklung eines Community-Portals (Login, Registrierung, Profil-Verwaltung, Präsentationsseiten)
  2. Produkt-Präsentation/E-Commerce auf Basis einer Multi-Shop Lösung (für den Endkunden)
  3. Bedarfsausschreibungsdatenbank
  4. Angebotsmodul im Backend–Bereich
    Der Lieferant bestätigt eine komplette Ausschreibung oder nur einen Teil der Ausschreibung. Die Ausschreibung bleibt bestehen und weitere Lieferanten können Teillieferungen bestätigen.
  5. Bewertungsbereich (jeder Kunde kann den Lieferanten/Produzenten bewerten)

Das zentrale Modul wird die „Ausschreibungsdatenbank“ sein. Hierbei geht es darum, dass der Käufer die Ausschreibung durch diverse Auswahl-Optionen so spezifiziert, dass das System die Ausschreibung direkt an gewisse Profile zuordnen kann und diese Profil-Nutzer über die Ausschreibung per Mail informiert werden. Für diesen Bereich ist es notwendig, ein möglichst flexibles System zu planen, damit es auch für andere Branchen adaptierbar ist.

 

Beispiel:

Ein Produzent/Landwirt definiert in seinem Profil bei Produkten/Leistungen „Erdbeeren“, „Kartoffel“ und „Wein“. Nun erstellt ein Käufer eine Ausschreibung für 100kg Kartoffel monatlich und 500l Wein pro Jahr. Der Landwirt erhält diese Ausschreibung und kann direkt darauf antworten.